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Über Helmut B.

Helmut B.Die alten Träume….

Helmut B., Jahrgang 1944. Die Schule schien ihm ein Gefängnis, die Lehre zum Großhandelskaufmann lästige Sohnespflicht. Tucholsky, Kästner, Kafka und Mühsam waren seine Leitbilder und er wollte, 16-jährig, Schriftsteller, Theater-Dramaturg oder Journalist werden. Sein Selbstbewusstsein war ebenso groß wie unbegründet. Diese Träume verflogen und wurden durch andere ersetzt.

… und die neuen

Heute, ein gutes halbes Jahrhundert später, ist ein neuer Traum unverhofft hinzugekommen: Helmut B. bringt mit 68 Jahren sein Debüt-Album auf den Markt. Auf einen Markt, den er so wenig kennt wie jenen, den er 1965 betrat, für den es damals noch keine Bezeichnung gab. Heute nennt man ihn IT-Branche; als Helmut B. 1966 in Hamburg gefragt wurde, ob er eine Programmierabteilung aufbauen wolle, wusste er noch nicht einmal, wie man das Wort schreibt und sagte trotzdem Ja. Immerhin musste er mit 21 schon Frau und Kind ernähren. Er vergaß alle kulturellen Ambitionen, las sehr viel und rannte nebenher ein bisschen in der Studentenbewegung mit“. Mit einem Freund gründete er die eigene Firma, und als er sie vor einigen Jahren verließ, sagte er 240 Mitarbeitern Lebewohl. Von der Musik und dem Theater hatte er sich in seiner Zeit als Unternehmer nie ganz verabschiedet. „In Rente“ gründete er mit Lars M. Clasen „Happy New Ears“ – eine Institution, die in losen Abständen Konzerte Neuer Musik veranstaltet und in Hamburg bereits einen beachtlichen Ruf genießt.

Heitere Ermutigung

Und jetzt singt er also seine selbst geschriebenen Texte. Mal mit leiser Melancholie, mal mit kernigem Trotz, stets aber mit Humor. „Das Älterwerden ist, wie Joachim Fuchsberger richtig schrieb, nichts für Feiglinge“. Die Lieder von Helmut B. aber, „freigegeben ab 60 Jahren“, machen der Zielgruppe Mut. Sie heilen nicht, sie stoppen nichts, aber können 50 Minuten lang helfen, relax zu werden.
Auf seinem Album „Alt aber Gold“ sind zwölf Lieder zu hören, die sich nie der Sprache irgendwelcher Hit- oder Schlagerparaden bedienen, sondern seine Neigung zum leichfüßigen, manchmal überraschenden Reimen erkennen lassen. „Eine Geschäftsidee ist es nicht, eher eine Art belustigter Spiegelung des eigenen Innenlebens.“

Der Gitarrist Hardy Kayser hat die Texte vertont und sie mit luftigen Arrangements umgeben, instrumentiert von Geblasenem, von Klavier, Bass und Schlagwerk, zwei Mal unterstützt von der lieblichen Stimme Annett Louisans. So führen die Songs ein seltsam schönes Eigenleben als Miniaturen von Würde und Eleganz, denen der Humor manchmal listig ein Bein stellt.